Publius Terentius Afer Terenz (190 - 159 v. Chr.:

Obsequium amicos, veritas odium parit.

Willfährigkeit macht Freunde, die Wahrheit erzeugt Hass.

 


Zivilgesellschaftliches

Das Verschweigekartell

 

Als Verein sind wir Teil der Zivilgesellschaft. Unsere Arbeit besteht darin, andere Menschen, nämlich solche, die durch Umstände ohne den leiblichen Vater aufgewachsen sind, zur Suche nach ihm anzuregen und ihnen dabei zu helfen.

Der Stand der Zivilgesellschaft in einem Land ist eine Aussage zum Zustand der demokratischen Entwicklung.

Nun sind deutsche Politiker und Medien gern bereit, über andere Staaten zu urteilen.

Wir wollen uns nicht daran beteiligen, sondern einfach zeigen, wie Deutschland mit seiner Zivilgesellschaft umgeht. Wir machen keine Umfragen, beteiligen uns nicht an Diskussionen dazu, wir wollen einfach an unserem Beispiel die deutsche Realität zeigen.

Und da es für die Lesbarkeit eines Textes günstig ist, eine griffige Überschrift zu haben, nennen wir dieses Kapitel nicht danach, was gern bezweckt werden oder gern so gesehen werden möchte. Wir benennen nach der Auswirkung – also: Das Verschweigekartell

Schnell nach Vereinsgründung und Arbeitsaufnahme wurde klar, dass wir jemanden brauchen, der im öffentlichen Leben steht, der mit etwas Erfahrung unsere Ziele unterstützen könnte.

Dabei gingen wir davon aus, dass die Hilfe und Unterstützung bei der Suche nach dem Vater eine äußerst humanitäre Angelegenheit sei und demzufolge unterstützenswert. Ebenso glaubten wir, dass es Solidarität und Unterstützung durch andere Besatzungskindervereine gäbe.

Es erwies sich als Irrglaube. Jedenfalls für Russenkinder.

Wir schrieben und sprachen Vertreter der im Bundestag vertretenen Parteien an, fragten öffentlich wirkende Persönlichkeiten, Politiker etc.

Es gab von niemanden eine Antwort. Selbst von den Linken nicht, obwohl der Eindruck entstanden war, sie würden das Thema besser kennen.

Woran liegt das? Weil wir Väter aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion haben?

Einmal gab es durch eine Bundestagsabgeordnete der CDU aus dem Unterausschuss „Bürgerschaftliches Engagement“, von mir darauf angesprochen, ein Hilfsangebot. Es erwies sich als Schall und Rauch.

Ist Familienzusammenführung nur ein Propagandabegriff? Wir wissen es nicht.

Vermuten aber etwas anderes. So bekam die Frau, die amerikanischen Besatzungskindern bei der Vatersuche hilft, das Bundesverdienstkreuz am großen Bande vom Bundespräsidenten. Sie revanchierte sich dafür, in dem sie eine wirklich dämliche Bemerkung über die Russenkinderproblematik machte,

http://www.deutschlandfunk.de/besatzungskinder-vaeter-gesucht.1773.de.html?dram:article_id=398870

die selbstverständlich auch sofort veröffentlicht wurde.

So bleibt der Schluss, dass sich die Situation für die der Politik unliebsame Themen vertretenden Aktivisten gegenüber vor 40 Jahren verschlechtert hat. Ja – richtig gelesen - schlechter als zu DDR-Zeiten. Wenn die damals etwas nicht öffentlich haben wollten, wurde es nicht veröffentlicht. Es blieb einem die Möglichkeit, seine Sachen in den Westen zu bringen. Der Westen ist weggefallen, nun gibt es diese Möglichkeit nicht mehr.

 

Hier nun die Realität:

Brief an die Intendantin des MDR im Februar 2018 nach einer Sendung über Russenkinder und die Antwort ihres Programmdirektors

---------------------------------------------

ANATOLY ROTHE Tel.: 030 / 722 90 721

Vorsitzender Russenkinder e. V. 01736042991

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Berlin, den 22. 2. 2018

Anatoly Rothe, Skladanowskystr. 27, 13156 Berlin-Niederschönhausen

Der Intendantin des

MITTELDEUTSCHEN RUNDFUNKS

Frau Prof. Dr. Karola Wille

D-04360 Leipzig

 

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Karola Wille!

 

Am 21. 2. 2018 brachte Ihr Sender um 20.45 Uhr eine Sendung über Russenkinder. Als Verein begrüßen wir das, weil damit das Thema in die Öffentlichkeit kommt.

Herr Vetten hat vier Russenkinder gezeigt, die ihre Familien gesucht und teilweise gefunden haben. Mir sind diese Schicksale bekannt. Wenn Sie unsere Webseite ansehen, werden Sie beispielsweise die intensive Suche des Jürgen Schubert in fünf Sprachen finden. Frau Josiger war ein Jahr lang bei uns im Vorstand.

Nun wird ja in der Diskussion um den Öffentlichen Rundfunk immer von ARD-Seite betont, einen Informationsauftrag zu erfüllen. In dieser Sendung wurde dieser Auftrag nicht ordentlich erfüllt.

 

Wenn Sie einmal den Begriff „russenkinder“ in Ihre Suchmaschine eingeben, werden Sie als ersten Eintrag die Seite „www.russenkinder.de“ finden.

Unser Verein besteht seit etwas mehr als drei Jahre und hat von Anfang an darauf orientiert, dass eben diese Öffentlichkeit erreicht wird und die Betroffenen aufgerufen werden, ihre Väter und Familien zu suchen. Und, Sie können es an Ihrer Sendung sehen, wir sind die Einzigen, die die Interessen der Russenkinder vertreten.

Unsere Seiten beinhalten schon von Anfang an die Möglichkeiten der Suche nach dem Vater. Das ist keine einfache Angelegenheit.

Die Webseiten wurden bisher über eine Viertelmillion Mal aus der ganzen Welt aufgerufen, allein im letzten Jahr über 100 000 Mal. Sie gibt es in 6 Sprachen.

Als erstes geben wir an, was zur Suche nötig ist. Dann haben wir inzwischen über 6 russische Archive der Armee und der Geheimdienste aufgeführt.

Wir veröffentlichen Suchmeldungen in verschiedenen Sprachen, geben bei Bedarf Hilfe bei Antragsformulierungen bis hin in schwierigen Fällen zur Übersetzung, die meine kasachischen Schwestern in Almaty leisten.

Uns haben inzwischen über 500 Russenkinder konsultiert und um Rat gefragt.

Ihre Redaktion und Herr Vetten haben das alles ignoriert, Herr Vetten kennt unsere Webseite. Auch telefonierten wir einmal miteinander.

Der Tenor der Sendung lag ja gerade darin zu zeigen, dass es noch viele Menschen mit einem solchen Schicksal gibt.

Und nun stellt sich die Frage, warum wurde denen nicht gesagt, was sie tun können?

Warum wurden wir, die wir diesen Menschen Hilfe bei ihrem wichtigen Unternehmen geben, nicht genannt?

Eine alternative Quelle für diese Informationen wurde nicht angegeben, weil keine existiert.

Das ist die Verfehlung, die eigentlich zu Ihrem Informationsauftrag gehört.

 

Wir kennen das schon länger. An den Schicksalen arbeiten sich Ihre Journalisten ab, die Hilfen, die diese Menschen bekommen können, werden verschwiegen. Es gab zum Beispiel schon eine „Spur der Ahnen“, die katastrophal für die betroffene Frau endete.

Wir werden gefragt, was wir Schändliches tun, dass man uns so behandelt. Antwort: „Wir helfen Menschen, ihre Familien zu finden. Seht Euch unsere Webseiten an, da sind unsere Intentionen und unsere Arbeit beschrieben!“

Informationen über uns können Sie von Prof. Silke Satjukow erfragen. Mit ihr stehen wir in Kontakt.

Abschließend möchte ich betonen, dass es uns nicht darauf ankommt, ins Fernsehen zu kommen, sondern ausdrücklich nur, dass die Russenkinder, die sich noch nicht auf den Weg gemacht haben, ihre Familien zu suchen, dazu aufgerufen werden und erfahren können, was in diesem Falle zu unternehmen ist.

So möchte ich Sie auffordern, an geeigneter Stelle diese Möglichkeiten über Ihre Sender zu verbreiten. Ich bin gern bereit, die nötigen Informationen in kurzer Form zusammenzustellen.

Das ist deshalb äußerst wichtig für die Betroffenen, da die in der Sendung aufgetretene Heide Glaesmer von der Uni Leipzig in der Öffentlichkeit die Lüge verbreitet, die russischen Besatzungskinder hätten keine Chance, ihre Väter zu finden, da die Archive geschlossen sein. Siehe Beilage! Da finden Sie noch einen Ihrer Protagonisten, Herrn Winfried Behlau.

Schändlich ist es besonders, weil eine Psychologiedozentin damit den Russenkindern, die sie in ihrer Studie als besonders psychisch anfällig bezeichnet, signalisiert, sie bräuchten sich erst gar nicht auf die Suche begeben.

Ihren Journalisten war auch das gleichgültig.

 

Mit freundlichen Grüßen


Anatoly Rothe

Vorsitzender


Beilage: https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article141995358/Alliierte-Soldaten-zeugten-mehr-als-200-000-Kinder.html

 

 

 

Und um die Frage der Leipziger Universität zu ergänzen, meine Mail an die Rektorin zur Studie im August 2015 und ihre Antwort. Die Frau ist Professor of Health Science and Psychosocial Medicine.

Der oben angesprochene Journalist Vetten wurde von uns auf die dubiose Art der Durchführung der Studie angesprochen. Seine Antwort: „Damit kann ich mich nicht auch noch beschäftigen!“

 

 

21. 8. 2015

Universität Leipzig

 

Rektorin
Prof. Dr. med.
Beate A. Schücking
Ritterstraße 26
04109 Leipzig

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Schücking!

Mein Name ist Anatoly Rothe. Ich bin der Vorsitzende des Vereins Russenkinder e.V.

Wie es dazu kam und weshalb ich mich an Sie wende, ergibt sich aus Folgendem:

Im Jahr 2014 erklärte ich mich bereit, an einer Studie Ihrer Medizinischen Fakultät zu Kriegskindern, durchgeführt von Heide Glaesmer und Marie Kaiser, teilzunehmen. Dazu füllte ich einen umfangreichen Fragebogen aus. Meine dazugehörende Geschichte stand inzwischen seit dem Jahre 2011 im Internet, damals unter sparomdeu.blogger.de auf Deutsch und sparomrus.blogger.de auf Russisch. Seit Mitte des vergangenen Jahres kann man sie unter

https://www.russenkinder.de/index.php/einzelne-schicksale/78-es-de-amanbol

nachlesen. In diesem Zusammenhang beauftragten die beiden Frauen eine Kindergärtnerin aus Zittau mit der Organisation eines Russenkindertreffens in Leipzig. Das sollte die bereitwilligen Studienteilnehmer zusammenführen. Im Vorfeld des Treffen im März 2014 an Ihrer Uni kam es zu Mailkontakten. Es entwickelte sich ein geradezu herzliches Zusammengehörigkeitsgefühl. Alle waren auf das erste Treffen gespannt. Ich bereitete mich darauf vor, einen Internetauftritt zu schaffen. Ich kenne das ja, in meiner Altersstufe gibt es nicht viele, die dazu in der Lage sind. Ich selbst hatte 1965 mein erstes Rechnerprogramm an der Humboldt-Uni in Berlin geschrieben und dann jahrelang im Metier gearbeitet.

So reservierte ich den Namen „russenkinder.de“ für diesen Zweck. Des weiteren schlug ich die Gründung eines entsprechenden Vereins vor.

Wie das Treffen verlief, können Sie dem beigefügten Protokoll entnehmen.

 

Der Verein wurde von zwei Protagonisten abgelehnt. Den Aufbau der Webseite übernahm ich.

Ich bat um Beiträge, was aber nur dazu führte, dass der Teilnehmer Winfried Behlau zwei, drei Sätze zur Verstärkung des Vergewaltigungsumstands schrieb. Es war zwar etwas redundant, aber ich nahm sie auf, weil es nicht nur die Seite von Anatoly Rothe sein sollte.

Bei der Gestaltung ergab sich ein Problem, die Kindergärtnerin Birgrit Michler wollte, dass ich ein sogenanntes „Distelbild“ ihres Bruders mit auf die Webseite bringe. Ich bat um die schriftliche Genehmigung des Künstlers. Die kam nicht. Es dauerte eine Weile, dann begann die erwähnte Kindergärtnerin Birgrit Michler leichten Druck auszuüben. Ich solle doch das Bild auf die Seite stellen, möglichst als Banner. Ich wiederholte, wie später noch viele Male, dass ich ohne die schriftliche Genehmigung des Künstlers das nicht tun werde. Die Sache eskalierte. Sie begann eine Umfrage zu starten, in deren Ergebnis sich die Aktion zu vollziehen hätte. Ich schrieb darauf, dass nichts weiter nötig ist, als dass der Künstler einen Fetzen Papier schreibe, der sein Einverständnis beinhaltet und seine Unterschrift trägt. Die Umfrage dazu sei überflüssig. Sie könnten ja auch mehrheitlich zu der Auffassung gelangen, ich solle zum Beispiel bei meinem Nachbarn einbrechen. Das wäre das Gleiche.

Nur vom Künstler kam nichts. Gibt es den überhaupt? - fragte ich mich schon.

Nach fünf Monaten war die Situation so, dass ich täglich bis zu acht Mails wegen dieses Unsinns erhielt.

Sie werden verstehen, wir sind alle über 65 Jahre alt, da machen sich Alterserscheinungen bemerkbar. Hier dachte ich an Starrsinn und die Unfähigkeit, überhaupt noch etwas aufnehmen zu können. Somit bat ich darum, aus dem Verteilerkreis herausgenommen zu werden und legte die Internetarbeit für diese Gruppe nieder. Von den Anderen wagte es kaum einer, sich dazu zu äußern. Soweit dominierten die beiden die Gruppe schon. Ich wurde teilweise in übler Form beschimpft und beleidigt.

Nur hintenherum bekam ich von einigen Zustimmung und Ermunterung, mich nicht beirren zu lassen.

Ich baute die Webseite so, dass ich die Möglichkeiten, wie man seinen Vater suchen kann, ausführlich darstellte. Sie können das heute noch nachlesen, schließlich ist das das zentrale Element unserer Arbeit.

Ebenso nahm ich einige Schicksale der Beteiligten auf. Es kamen Suchmeldungen dazu.

Einfügen möchte ich hier, dass es in diesem Jahr soweit gekommen ist, dass die Webseite jeden Monat über 4 000 Mal aufgerufen wird. Uns wird die Notwendigkeit der Seite bescheinigt, wir sollen sie unbedingt fortführen.

Ende Oktober 2014 fand in Berlin eine Veranstaltung von BOWin, Born Of War in network, einer Vereinigung von westeuropäischen Kriegskindervereinen, statt. Ich erhielt eine Einladung und wurde gefragt, ob ich etwas vortragen möchte. Was ich selbstverständlich bejahte. Ich sprach über „Aspekte zum Thema Russenkinder“. Sie werden verstehen, in 45 min das Thema abzuhandeln ist nicht möglich.

Leider wurde ich nach kurzer Zeit ständig unterbrochen, nämlich ab dem Zeitpunkt, als ich etwas über den Krieg Nazideutschlands gegen die Sowjetunion begann vorzutragen. Sie wollten es offensichtlich nicht hören. Es gehört aber unbedingt zum Thema, weil es zeigt, mit welcher verbrecherischen Gewalt die Deutschen in der Sowjetunion hausten.

Sie können den Vortrag auf der Webseite unter dem Punkt „Das Phänomen Russenkinder“ nachlesen. Ich habe ihn ein wenig abgeändert, weil in einem freien Vortrag auch gesagt werden kann, was auf einer Webseite mit Zitaten und Quellenangaben belegt werden muß. Das Ergebnis war, dass BOWin unsere Webseite als Link bei sich entfernte. Als Begründung wurde mir gesagt, dass die deutschen Russenkinder zerstritten sind und sie uns deshalb nicht haben wollten. Außerdem sagte mir die Sekretärin von BOWin, dass sie Winfried Behlau als deutschen Sprecher der Russenkinder haben wollen.

Inzwischen gab es eine erste Zwischenauswertung der Studie, die bei mir Fragen aufwarf. Ich komme später darauf zurück.

Und so entschloß ich mich, einen Verein zu gründen, um auf ordentlich organisierter Basis den Russenkindern zu helfen, was Ende November 2014 geschah. Ebenfalls auf der Webseite nachzulesen.

BOWin hat eine Satzung, in der steht, dass Vereine ein Stimmrecht haben. Obwohl ich BOWin von der Gründung informierte, selbstverständlich ebenso vom Eintrag ins Vereinsregister, haben die das völlig ignoriert. So wird uns in diesem Gremium das demokratische Mitbestimmungsrecht verweigert. Egal – die sind noch älter als wir.

 

Nun hatten sich die übrigen Leipziger zu einem „Netzwerk“ formiert, nämlich zu den „Distelblüten“. Behlau gab eine Episodensammlung heraus, Glaesmer schrieb einen Begleittext dazu.

Im März 2015 wurde wieder ein Treffen in Leipzig organisiert. Ihre Uni stellte den Raum zur Verfügung. Im Vorfeld schrieb ich Glaesmer und Kaiser, dass es wohl eines Programms bedarf, weil die Veranstaltung vom Vorjahr so nicht wiederholt werden kann.

Ich bekam den Punkt zur Berichterstattung zum Internetauftritt.

Diese Veranstaltung begann damit, dass Glaesmer einen kurzen Vortrag über die Ergebnisse der Studie vortrug. Ich bin Betriebswirt, verstehe von Psychologie nicht viel. In jungen Jahren hatten wir uns natürlich über die Freud's und Adlers' hergemacht. Das war aber auch alles.

Nun trug Glaesmer vor, dass in der altersentsprechenden Normalbevölkerung 1,8 % an Depressionen leiden und bei Kriegskinder sie herausgefunden haben, es seien 10 %, also ein wesentlich größerer Anteil. Als Betroffener in dieser Altersgruppe kann ich das nicht glauben. Wenn ich mich so umsehe, konnte die Normalbevölkerung nicht mit so wenig Prozenten davonkommen. Ich fragte nach. In einem Redeschwall mit „Randomisierung“ etc. hätten sie es so ordentlich aufbereitet. Schnell wurden andere Folien aufgelegt und weiter vorgetragen. Zu den anderen Zahlen konnte ich nichts sagen, weil ich die entsprechenden Hintergründe nicht kenne. In einer Pause sah ich auf die im Flur aushängenden Plakate. Da gab es welche, die auch Altersverteilungen von Depressionen zeigten. In der Schnelle kannte ich sie aber nicht richtig ansehen. Mir schien, es waren bei 60 – 70 Jährigen zwischen 10 und 15 %. Die Frage blieb für mich.

Als ich mit Vortrag dran war, wurde sehr schnell klar, dass es nicht erwünscht war, die Mißhelligkeiten des vergangenen Jahres anzusprechen. Kaiser hatte ein junge Frau mitgebracht, die mir sofort ins Wort fiel. Ich fragte, die sind ja schließlich Psychologinnen, ob es nicht besser wäre, in einer Gruppe, in der es derartige Auseinandersetzungen gab, die ja schließlich zur Niederlegung der Arbeit für die Gruppe geführt hatten, die Umstände zu klären, damit die weitere Zusammenarbeit nicht wieder zu solchen Erscheinungen führt. Es wurde alles rigoros unterbunden. Ich dachte, wir sind Russenkinder, da passt eigentlich ein entsprechender Terminus – stalinistisch.

Nach diesen Erfahrungen habe ich mich von dieser Leipziger Gruppe, den Distelblüten, distanziert. Wir haben einen Verein, da bestimmt die Mitgliederversammlung als höchstes Organ über die Belange. Da gibt es Rechenschaftspflicht etc. Hier wurde durch die Studienleitung und die Protagonisten alles unterdrückt.

Ein paar Wochen später diskutierten Psychologen in der Sendung „Scobel“ darüber, dass die 65-jährigen zu einem Viertel unter Depressionen leiden. Danach stellte ich diesen Punkt ins Netz. Sie können ihn unter „Splitter“ etwas weiter unten nachlesen. Ich sprach mit einigen Leuten darüber. Da in dieser Zeit der 70. Jahrestag des Kriegendes fiel, selbstverständlich auch mit Journalisten, die sich dieses Themas widmeten. Wenn die diskutierenden Psychologen recht haben, kommt die Studie verbal genau zum Gegenteil dessen, was die Zahlen aussagen.

Eigentlich wollte ich es dabei bewenden lassen. Nun fiel mir ein Zeitungsartikel in der „Welt“ vom 6. 5. 2015 auf den Bildschirm.

https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article141995358/Alliierte-Soldaten-zeugten-mehr-als-200-000-Kinder.html

Und da steht weiter unten:
"Nach Jahrzehnten des Schweigens wollen viele Besatzungskinder ihre unbekannten Väter beziehungsweise deren Familien finden. Die besten
Chancen haben dabei Töchter und Söhne von US-Amerikanern. Sie bekommen Unterstützung von der Organisation GI Trace.
Im Gegensatz zu den USA hätten die Franzosen, Briten und Russen ihre Militärarchive nicht geöffnet, sagt die Leiterin der Leipziger Studie, Heide Glaesmer."

Und da kann ich nicht anders, als diesen Blödsinn zurückweisen. Glaesmer weiß, dass das falsch ist. Lesen Sie meinen Text „Das Khanat“. Und sollte Ihnen das nicht ausreichen, kann ich Ihnen den Briefwechsel mit der deutschen Botschaft in Moskau von 1996 und die Antwort des Militärarchivs in Podolsk bei Moskau von 1997 schicken. Noch besser, Sie fragen einmal Historiker, die auf diesem Gebiet forschen. Denen werden Sie ja wohl glauben.

Die russischen Archive wurden Anfang der 90-er Jahre für diese Anfragen geöffnet. Ich habe, wie Sie sehen können, 1996 diese Anfrage gestellt und mit der Antwort meine kasachische Familie gefunden.

Diese Anfragen brauchen nur formuliert und abgeschickt werden. Es sind keinerlei Schwierigkeiten zu überwinden, kein Kampf mit Behörden oder Beamten – nichts davon ist nötig seit über 20 Jahren.

Damit wird auch deutlich, dass die normalen Russenkinder sich schon vor mehr als 20 Jahren auf den Weg gemacht haben, ihre Väter zu suchen. Damals war das Internet nicht so verbreitet wie heute, so dass dieser Vorgang nur in Fällen, in denen die Aktivisten sich in Presse, Film und Fernsehen artikuliert haben, öffentlich wurde. Wenn Sie genügend lange suchen, so werden Sie mehr als genug finden.

Und deshalb ist es eine Selbstbeweihräucherung, wenn die Distelblüten in ihrer Buchankündigung schreiben:

Kinder von russischen Soldaten sind bisher in der deutschen Öffentlichkeit nicht präsent. Es war ein Tabu über sie zu sprechen, zu schreiben. Erst langsam nimmt sich die Sozialforschung dieses Themas an.“

Sagen wir es einmal so, die deutsche Sozialforschung hängt in diesem Falle 20 Jahre hinter der Entwicklung hinterher. Und Glaesmer schreibt dazu auch noch Begleitschreiben.

Die Distelblüten bilden in diesem Falle die Nachhut, eine gewisse Selektion, wahrscheinlich sahen Glaesmer und Kaiser, dass da ihre Aussagen zu psychischen Folgen auf die eher zutrifft.

Was wieder einmal die Ausblendung der Realitäten wie schon im vergangenen Jahr mit dem Kampf ums Distelbild auf der Webseite aufzeigt.

Die schon erwähnte Kindergärtnerin hatte mir gegenüber stolz darauf hingewiesen, dass sie zu Zuarbeiten für die Studie aufgefordert war.

 

Weshalb schreibe ich Ihnen das?

Ich fühle mich durch diese Art der Studiendurchführung mißbraucht. Da sind einmal diese zweifelhaften Zahlen, für die ich keine ordentliche Aufklärung erhalten habe. Da ist Zweitens die Unterdrückung der Meinungsäußerung in einem Falle, wo Aussprache eher heilen hätte können.

Und Drittens noch als Steuerzahler, weil für eine solche, für mich nicht verständliche Art der wissenschaftlichen Arbeit, Steuergelder ausgegeben werden.

 

Deshalb haben wir Ihre Mitarbeiterinnen schon vor längerer Zeit aus der Liste der Helfer und Unterstützer herausgenommen.

Man stelle sich vor, die beiden Psychologinnen bereiten das Versuchslabor vor, lassen ihre Versuchskarnickel auf deren eigene Kosten anreisen, lassen nur zu, was ihnen in den Kram passt und unterdrücken brutal jede abweichende Meinungsäußerung. Und da beschleicht einen der Verdacht, dass ich der Störenfried war, deshalb den Mund verboten bekam, andere in noch größerem Maße aber benutzt worden sind.

Was ist der Wert einer solchen Studie? Was ist der Wert solcher Arbeiten?

Hinzu kommt die antirussische Propaganda. Meine Güte - hat Ihre Uni das nötig?

Und man stellt sich die Frage, warum Wissenschaftlerinnen öffentlich offensichtlichen Nonsens erzählen. Mit denen wird doch kein seriös arbeiten wollender Wissenschaftler mehr etwas zu tun haben wollen. Jedenfalls war das zu meiner Zeit so.

Eine weitere Frage stellt sich, wenn Psychologinnen so mit ihren Probanden umgehen, haben die überhaupt darüber nachgedacht, wen sie vor sich haben? Offensichtlich nicht. Wenn jemand wie ich über 50 Jahre seinen Vater sucht, würde ich erst einmal darüber nachdenken, wen ich vor mir habe.

Außerdem hatte ich Glaesmer einmal beiläufig erwähnt, dass ich über 16 Jahre mit einer Hochschullehrerin zusammengelebt habe.

Da habe ich das Milieu gesehen, natürlich auch die Arroganz gegenüber Nichtpromovierten.

Und noch etwas, vielleicht von der Bedeutung her nicht so wichtig, aber wir sind der erste Russenkinderverein in Deutschland. Bleiben es wahrscheinlich auch, da die Betroffenen immer älter werden und sich dieser Aufgabe kaum noch widmen werden. Das erweckt natürlich ein breiteres Interesse daran, was wir tun, wer uns hilft, wie wir arbeiten, wie wir uns mit Widrigkeiten herumschlagen und schließlich welche Erfolge wir vorweisen können.

Es gäbe noch mehr dazu zu schreiben, zum Beispiel Hochstapelei, Verdrehungen etc, nicht aus Ihrem Bereich, aber in diesem Zusammenhang. Wobei die Protagonisten der Distelblüten nicht einmal davor zurückschreckten, die beiden Frauen vor Publikum in Frage zu stellen.

Ich will es dabei belassen.

 

So bitte ich Sie zu entschuldigen, dass das Schreiben sehr lang geworden ist. Aber anders konnte ich mein Anliegen nicht darstellen. Ich beneide Leute, die mit wenigen Worten komplexe Vorgänge vortragen können.

Zum Inhalt wollte ich ebenfalls noch eine Bemerkung machen:

Die Russenkinder sind inzwischen alte Leute geworden. Ich natürlich ebenfalls, weshalb diese Bemerkung auch auf mich zutreffen wird.

Ich sehe um mich herum Alterserscheinungen, wie immer eingeschränktere Aufnahmefähigkeit, das Ignorieren der Realitäten, geistige und verhaltensmäßige Stagnation bzw, Rückentwicklung, Sie verstehen schon, manche Alte werden infantil etc. Und das trifft natürlich ebenfalls auf die Russsenkinder zu, wie ja hier zu sehen. Dieser Aspekt wurde von Glaesmer gar nicht erwähnt.

Ein Bekannter, der in Leipzig studiert hatte, meinte darauf:

Die Alma Mater Lipsiensis hat schon noch schlechtere Zeiten gesehen.“

 

Mit freundlichen Grüßen

Anatoly Rothe

Skladanowskystr. 27

13156 Berlin

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Antwort der Rektorin:

 

Studie zu Kriegskindern

Von: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

An: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Datum: Mon, 14 Sep 2015 07:51:13 +0000 (14.09.2015 09:51:13)

Sehr geehrter Herr Rothe,

Ihre E-Mail vom 21.08.2015 habe ich erhalten. In der Zwischenzeit habe ich Kontakt zu Frau Dr. Glaesmer aufgenommen, die federführend die von Ihnen kritisierte Studie zu Kriegskindern durchgeführt hat, an der auch Sie teilgenommen haben. Frau Dr. Glaesmer versicherte mir, dass die Studie wissenschaftlich absolut korrekt durchgeführt worden ist und mittlerweile darüber auch einige Publikationen, u. a. in einem international anerkannten

Peer-Review-Journal, entstanden sind. Die Teilnahme an der Studie war freiwillig. Alle Daten wurden anonym weiterverarbeitet. Die übrigen in Ihrer E-Mail dargestellten Sachverhalte liegen nicht im Verantwortungsbereich der Universität.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Beate A. Schücking

Universität Leipzig

Rektorin

Ritterstrasse 26

04109 Leipzig

Tel.: (0341) 97 30000 Fax: (0341) 97 30009

Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Dazu fiel mir damals nur ein Merksatz aus dem Studium ein:
„Wir bestätigen, dass der Marxismus-Leninismus wissenschaftlich ist, weil er wahr ist.“

 

Wird bei Gelegenheit fortgeführt.